Gruppenhaltung von Sauen – in Europa längst noch nicht Standard
Die britische Vereinigung für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) hat eine Studie über den aktuellen Stand der Gruppenhaltung von Sauen in verschiedenen europäischen Ländern herausgegeben. Auch die Auswirkungen auf die Versorgung mit Schweinefleisch werden darin beschrieben. Dr. Frank Greshake, LK NRW, fasst die Ergebnisse zusammen.
Die Sauenhaltung wird in Europa schrumpfen
In Großbritannien hat man reichlich Erfahrung mit erhöhten Tierschutzanforderungen für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung. Die Schweineproduktion findet dort schon seit vielen Jahren unter verschärften Tierschutzauflagen statt. Die Kehrseite der Medaille: Die Sauenhaltung ist seit 1999 um über 40% zurückgegangen.
Verschiedene Szenarien denkbar
Die Engländer beschreiben für die Situation ab 01.01.2013 drei unterschiedliche Szenarien:
Szenario 1: Die europäische Schweineproduktion geht in 2013 um ca. 5 % zurück. Der Schweinepreis steigt um ca. 10 % an. Der Strukturwandel in der Sauenhaltung setzt sich zwar verstärkt, aber in moderater Form fort.
Szenario 2: Aufgrund rigoroser Kontrollen bei der Durchsetzung der Auflagen fällt die EU-Schweineproduktion bis zu 10%. Eine derartige Einschränkung würde nicht nur zu deutlicheren Preissteigerungen, sondern auch zu Verwerfungen am Markt für Ferkel- und Schweinefleisch führen. Letztlich wäre nicht ausgeschlossen, dass Schweinefleischimporte von außerhalb der EU erfolgen müssen.
Szenario 3: In diesem Szenario – nicht unwahrscheinlich – wird davon ausgegangen, dass sich die Schweineproduktion innerhalb der EU noch stärker differenziert. Im nordwestlichen Teil Europas würde die Sauenhaltung stark bleiben, in Süd- und Osteuropa geht die Sauenhaltung drastisch zurück und die Ferkel werden in noch höherem Maße aus den Niederlanden, Dänemark und Deutschland importiert. Die hohe Anzahl Langstreckentransporte von Ferkeln quer durch Europa werden dem Ziel eines verbesserten Tierschutzes nicht gerecht.
Tabelle 1: Gruppenhaltung von Sauen
| Land | Aktueller Stand | Erwartete Situation zum 01.01.2013 | Bemerkungen |
| Großbritannien |
100 % |
100 % |
|
| Schweden |
100 % |
100 % |
|
| Belgien |
36 % |
49 % |
Verstärkter Ausstieg erwartet |
| Tschechien |
94 % |
100 % ? |
|
| Dänemark |
75 % |
100 % |
Einschränkung der Sauenhaltung zu erwarten |
| Frankreich |
50 % |
? |
Verstärkter Ausstieg erwartet |
| Deutschland |
70 % |
? |
Insbesondere in Süddeutschland stellen viele Sauenhalter nicht mehr um |
| Irland |
40 % |
60 % |
Ausstieg der restlichen Betriebe |
| Italien |
35 – 40 % |
? |
Starker Ausstieg kleinerer und mittlerer Betriebe erwartet |
| Niederlande |
50 % |
90 % |
Die restlichen 10 % steigen aus |
| Spanien |
50 % |
? |
Viele Betriebe in Umstellung, starker Strukturwandel erwartet |
| Polen |
75 % |
? |
Weiterer Ausstieg derkleineren Erzeuger |
Quelle: AHDB
In Tabelle 1 ist – soweit verfügbar – die aktuelle und erwartete Situation der Umstellung auf die Gruppenhaltung von Sauen dargestellt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Informationslage aus manchen europäischen Ländern mehr als dürftig ist. Zum Teil liegen gar keine Informationen vor. In verschiedenen Ländern bereiten auch die vorhandenen Spaltenbreiten in den Sauenställen gravierende Probleme.
Es ist noch viel zu tun Nach einer Befragung durch die europäische Kommission haben drei Staaten geantwortet, dass sie die Umstellung bereits vollzogen haben. Neun Mitgliedsstaaten erwarten eine vollständige Umstellung bis zum Ende des Jahres. Immerhin zwölf Länder teilten der EU-Kommission mit, dass eine Umstellung bis zum Jahresende nicht befriedigend abgeschlossen ist und drei Länder haben nicht geantwortet. Zumindest in den Ländern mit wesentlicher Schweineproduktion sind verstärkte Anstrengungen zur Umstellung erkennbar. Einerseits befürchten sowohl die dortigen Bauernverbände bzw. Organisationen der Schweineproduktion, dass aufgrund der CC-Relevanz die Flächenprämien nicht mehr vollständig ausgezahlt werden. Andererseits sorgen sich die Schlachtunternehmen, dass neben Ferkeln auch Schweinefleisch aus nicht-konformen Anlagen in der EU nicht mehr frei gehandelt werden können. Abschließend ist festzuhalten, dass europaweit die Umstellung bis Ende 2012 nicht erfolgreich abzuschließen ist. Insbesondere kleinere Sauenhalter steigen verstärkt völlig aus der Produktion aus oder stellen um auf Mast. Die regionale Konzentration der Sauenhaltung innerhalb und zwischen den Mitgliedsstaaten wird sich verstärken und die europäische Schweineproduktion wird deutlicher zurückgehen. Aus Sicht der deutschen Ferkelerzeuger, die ihre Sauen bereits auf Gruppenhaltung umgestellt haben oder sich in der Umstellungsphase befinden, ist vor allem eines wichtig: Zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen müssen auch die anderen umstellen. Die Frage von mehr oder weniger Tierschutz darf nicht zur Standortfrage für die Sauenhaltung werden. Das jahrelange Gezerre und die Standortverlagerungen im Bereich der Legehennenhaltung sind dafür ein warnendes Beispiel.